Trulla24's Blog

Is et jut?

Posted in einfach mal so by trulla24 on 10. April 2010

Seit etwa zwei Wochen arbeite ich als Pflegeassistentin in einem Alten- und Pflegeheim für an Demenz erkrankte Senioren.

Es ist eine harte Arbeit. Eine knochenharte Arbeit. Aber meine Entscheidung, mich um die Stelle zu bewerben, resultierte allein aus der Überlegung heraus, was ich mit meiner Freizeit als Arbeitssuchende am besten anbringen könnte.

Es ist ein harter Job. Wechselschicht; kaum 10 Stunden Pause zwischen Spät- & Frühschicht. Auf die Dementen eingehen, sie beschäftigen, sie wickeln, ihnen das Gesäß abzuwischen. Kot zu riechen, Urin… ihre Aggressionen aufzufangen, sie zu beschäftigen, sie abzulenken. Ihr „ich will dann mal weg“ abzufedern, aufzunehmen, abzunehmen. Wohin wollen Sie gehen? Nach Hause? Und dann das Gespräch auf das gedankliche JETZT der Dementen zu lenken, sie abzuholen und so zu beruhigen.

Abends übermüdet so nach Hause zu fahren, als ob ich besoffen bin. Ins Bett zu fallen und nicht einschlafen zu können. Träumen von den Menschen dort im Heim, deren Ende das Finale ist. Es wird keine Besserung eintreten, auf keinen Fall. Also werden sie dort bleiben, bis ihr Herz aufhört zu schlagen. Manchmal sind es mehrere Jahre, bis sie dann endlich gehen dürfen und können.

Gerade mal 14 Tage bin ich in dem Heim angestellt – und ich überlege mir, ob es wirklich das Wahre ist, was ich da tu. Auch wenn ich es verneine, es ist die Zukunft von einigen von uns. Das Schicksal als Dementer, der die Familie überfodert oder schlimmstenfalls gar keine Familie hat.

Ich führe ein Tagebuch über meine Arbeit, schildere darin von meinen Erlebnissen – von Anfang an. Beginnend mit meinen Erwartungen und Hoffnungen, endend mit einer Ernüchterung und der Einkehr in die Realität.

Und wenn das, was ich erlebe, die Realität ist, dann wünsche ich jedem von uns im Alter einen schnellen und ad hoc-Tod! Denn sowas hat niemand von uns verdient.

Und das für knapp 1100 Euro im Monat, brutto – versteht sich.

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2 Antworten

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  1. oldman said, on 11. April 2010 at 8:27 am

    Alle Achtung.
    Meines Respektes und meiner Bewunderung für diese berufliche Entscheidung kannst Du Dir sicher sein.

  2. trulla24 said, on 30. April 2010 at 7:28 pm

    Oldman, danke dir!

    Erstaunlicher Weise reagieren alle, denen ich erzähle, mit Respekt vor der Tätigkeit. Aber kaum jemand begreift, dass es auch gerade diese Berufsgruppe ist, die ähnlich wie die Zimmermädchen in Hotels mit viel zu niedrigen Löhnen abgespeist werden. Und der ab dem 1.7. geltende Mindestlohn von 8.50 Euro die Stunde ist ein echter Hohn! Ein Affront, der wieder mal zeigt, wie sehr diese Arbeit von Ausbeutung getrieben ist.


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