Trulla24's Blog

Bitte lächeln – Erster Teil

Posted in fiktiver Unbekannter, Geschrappsel by trulla24 on 22. Januar 2010

Es ist 7:30 Uhr am Morgen und ich sitze am Rechner, um meine E-Mails abzurufen. Und da ist sie wieder, die bekannte Absage, diesmal freundlich gehalten. Optimismus soll sie versprühen, Hoffnung auf baldige „Besserung“ und irgendwie Mut machen.

wir danken Ihnen für Ihre Bewerbung und das Interesse an unserem Unternehmen. Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir aktuell keine Position besetzen, welche sich mit Ihren Qualifikationen und Erfahrungen deckt. Gern behalten wir Ihre Daten in unserem System und werden uns bei der Besetzung einer Position aus Ihrem Tätigkeitsgebiet wieder mit Ihnen in Verbindung setzen.

Selbstverständlich können Sie sich auch auf unserer Karrierewebsite ***** über aktuelle Stellenangebote informieren. Sollten Sie sich für eine Vakanz interessieren, freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme.

Tja, so ist es eben, wenn man Initiativbewerbungen verschickt. Irgendwie fühle ich mich nicht gut, am Ende eines Weges angekommen, von dem aus es nicht weitergeht. Früher hätte ich gejubelt ob dieser Nachricht, dass man meine Daten im System behalten werde. Ja, früher. Aber heute? Heute weiß ich, dass dies nur eine Floskel ist, um ansatzweise etwas Sympathie zu vermitteln. Auch wenn ich diese Form der Absage gut finde, ist es eine Absage, bleibt eine und daran wird sich nie etwas ändern.

Hinter mir höre ich ein Rascheln und die mir inzwischen bekannte Stimme des fiktiven Unbekannten.

„Haben Sie mal einen Stift?“ und ich seh seine diffuse Hand vor meinem Gesicht nach dem Kuli greifen.

„Seit wann sind Sie schon da?“ Ich dreh mich um.

„Ach, schon eine ganze Weile. Auf jeden Fall lang genug, um Sie beim Lesen der Absage zu beobachten.“ Mittlerweile hat er auf meiner Tastatur Platz genommen.

„Tun Sie mir bitte den Gefallen und verschwinden von meinem PC-Tisch. Das mag ich nicht… “ bitte ich ihn mit grauer Stimme.

„Ihnen geht es heute nicht gut, stimmt’s?“ Seine Augen scheinen mich zu durchbohren.

„Nein, mir geht es heute nicht gut. Es macht keinen Spaß mehr. Echt nicht.“

„Frau Trulla, Sie müssen sich an diesen Zustand gewöhnen. Ändern können Sie ihn sowieso nicht.“ Der fiktive Unbekannte steht wieder hinter mir.

„Soll ich aufgeben? Mich treiben lassen?“. Erschöpft lasse ich meinen Kopf hängen. Ich merke, wie mir alles egal wird. Ist das das erste Zeichen einer beginnenden Depression und Apathie? „Was empfiehlt mir der Rat? Hat er eine Idee?“

Sein lautes dunkles und hämisches Lachen hallt durch meine Wohnung. „Wo denken Sie hin? Meinen Sie, der Rat greift als „Deus ex machina“ ein, nur weil Sie ihm ansatzweise nur irgendwie sympathisch sind? Dem Rat sind Sie eigentlich egal, auch wenn er mich gegen meinen Willen Ihnen zur Seite gestellt hat. Gewöhnen Sie sich dran, dass Sie mit Ihren bald 50 Jahren zum alten Eisen und zum Abfall der Gesellschaft gehören!“

Seine Stimme kommt inzwischen aus dem Wohnzimmer, wo er es sich wieder auf dem Sofa gemütlich gemacht hat.

„Verdammt…“ brüll ich zurück. „ich bin noch keine 50, sondern erst 46. Und ich bin kein altes Eisen, so fühle ich mich noch nicht. Aber dank Ihrer blöden Sprüche bin ich auf dem besten Weg dahin. Sie leisten mir wirklich einen Bärendienst!“

Mittlerweile stehe ich vor ihm und er setzt sich auf. Sein Gesicht wird ernst, sehr ernst und seine Stimme nimmt einen ungewohnt leisen Ton an, ein Ton, den ich in dieser Art noch nicht von ihm vernommen habe.

„Frau Trulla, setzen Sie sich mal zu mir. Ich glaub, ich muss mit Ihnen langsam mal ein ernstes Wörtchen reden.“ Irgendwie verspüre ich keine Lust, mich seiner Aufforderung zu widersetzen und ich nehme auf dem Sofa neben ihm Platz.

(Fortsetzung folgt)

Advertisements
Tagged with:

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: