Trulla24's Blog

Die Oberflächlichkeit des Scheins

Posted in Klein-Bloggersdorf, Marketing, Unter uns, web2.0 by trulla24 on 15. Januar 2010

Twitter, das (noch) aktuelle Medium des schnellen Informationsflusses. Man muss twittern, um „in“ zu sein, um am Sprachrohr der Massen zu hängen, Tendenzen zu erkennen und sich oftmals auch über die Anzahl seiner Follower zu profilieren.

Ja, ich twitter auch, aber nicht unter Trulla24, das wäre zu einfach. Und ich habe nur „wenige“ Follower und folge auch nur wenigen. Hätte ich gerne mehr, dann würde ich all den PornoFakes und Online-Glücksrittern den Zugriff auf mein Gezwitscher gestatten. Tu ich aber nicht. Egal, auch wenn ein Internetmeister derzeitig über Twitter und den Nachweis der Follower des Bewerberns für seine Agentur einen Kandidaten sucht, der Erfahrungen mit dem Social Web hat. Logisch! Klar! Und?

Ne, ich bewerbe mich dort nicht, keine Panik! Denn für mich ist die Zahl der Follower kein Maß für die Güte der social-web-Kenntnis. Und derjenige, der meint, dafür geeignet zu sein – nur los! Später werden wir wieder darunter zu „leiden“ haben, wie damals, als Marketing- und Kommunikationsstudenten uns Blogger mit entsprechenden Umfragen „bewarfen“, damit dann in Unternehmen gingen und sicherlich so manche kommunikative Panne verursachten.

Aber das soll ja nicht das Thema dieses Artikels sein, genauso wenig mein Engagement bei Twitter, das sich zur Zeit etwas „reduziert“ hat, weil ich mich gerade irgendwo auf FB herumtreibe und brav Farmville spiele. Meine eigentliche Überlegung zu Twitter geht in die Oberflächlichkeit der Erregtheit in der Kommunikation und die Wirksamkeit der Verpuffung ins Nichts.

Ich erinnere mich noch daran, als über Twitter die Nachricht verbreitet wurde, dass Michael Jackson gestorben war. Das war eine Aufregung. Schnell kreierte ich eine Suchabfrage nach „Michael Jackson“ und ließ mir die aktuellen Tweets (=Äußerungen, Kommentare) dazu anzeigen. Minütlich prasselten sie ein und binnen kürzester Zeit waren es über tausende, die aus aller Welt kamen. Etwa einen Tag später herrschte wieder Ruhe und die Twittergemeinde wandte sich wieder den alltäglichen Themen zu.

Kurz vorher, im selben Monat, fanden im Iran die Präsidentschaftswahlen statt. Unruhen kamen auf, als die Ergebnisse bekannt gegeben wurden. Die Suchabfrage „Iran“ bzw. „Mussawi“ brachte enorme Ergebnisse. Wir alle waren „fasziniert“ von den Vorgängen dort, spekulierten von unserer Seite…. und etwa zwei Tage später herrschte auf Twitter wieder eine verhältnismäßige Ruhe (die ja dann von Michaels Jacksons Tod wieder unterbrochen wurde).

Dies sind zwei Ereignisse, die beinahe zeitgleich stattgefanden und auf Twitter erlebt werden konnten. Und beiden Ereignissen war gemein, dass das Interesse der Twitter-User zuerst intensiv dann aber mehr als oberflächlich war. Es war/ ist kurz, wie ein Schwarm von Stare, die sich auf eine Futterstelle stürzen, laut herumkrakehlen, um dann als Schwarm wieder gemeinsam zu verschwinden. (Von dem Futter ist dann nix mehr da, allerdings die Vögel dann auch nicht mehr).

Und so wird es immer weiter gehen: wir gewöhnen uns damit in einem fulminaten Tempo an eine Oberflächlichkeit, die temporär wohl echtes Interesse zur Grundlage hat, uns dann aber weitertreibt, zum nächsten Höhepunkt, der das vorherige Ergebnis dann aus unserem Fokus verschwinden lässt.

Nun gedanklich nur noch mal eben schnell zu dieser Bewerbungsaktion über Twitter: Wenn nun gehofft wird, über Twitter Unternehmen und Aktionen besser zu „promoten“, dann wird das u.a. aus den oben genannten Gründen gewaltig in die Hose gehen. Und – es werden die Auftraggeber sein, die unter den Folgen leiden, gemeinsam dann mit den „Armen“, die meinten, sie würden dieses Tool beherrschen und kennen. Schlimmstenfalls wird der berüchtigte „Streysand“-Effekt eintreten, der dann allerdings in den allermeisten Köpfen hängen bleibt. Denn, wenn man Twitter genau kennt, weiß man, dass nämlich die echten Gespräche im Hintergrund über die sog. DM (direct message) stattfinden, die nur vom Sender und Empfänger und keinem anderen gelesen werden können.

Will man Twitter hier eine soziale Kompetenz der Verknüpfung „unterstellen“, dann findet diese nicht im Vogelgeschrei aller statt, sondern in Ruhe im Hintergrund. Nur – ein Chat wäre hier sicherlich in manchen Dingen wesentlich effektiver…. Und über Twitter werden sich die vernetzen, die sowieso schon einer Meinung sind oder einen sehr ähnlichen Standpunkt haben. Sie lesen die Kommentare ihrer Follower, gezwitscher anderer aber werden gar nicht in der Timeline eingeblendet…. es sei denn, man hat einen entsprechenden Suchbegriff kreiert.

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