Trulla24's Blog

Alles nur gefaked?

Posted in Arbeitssuchend, Gesellschaft, Manipulation, Unter uns by trulla24 on 14. Januar 2010

Manche meiner LeserInnen wissen, dass ich seit längerem auf der Suche nach einer neuen Anstellung bin. Aus diesem Grund beobachte ich den Arbeitsmarkt in der Region und darüber hinaus mehr als intensiv. Der Grund ist ein ganz profaner: ICH WILL WIEDER ARBEITEN! Basta!

Aber das, was mir da so begegnet, lässt mir manchmal doch die Haare zu Berge stehen.

An die Tatsache, erst gar keine Antwort auf meine Bewerbungen zu erhalten, habe ich mich schon längst gewöhnt. Und wenn mal eine Antwort in Form einer Absage im wahrsten Sinne des Wortes „eintrudelt“, dann aber erst Monate später und mit keinem Wort des Bedauerns für die verspätete Absage, ist auch nicht mehr untypisch, wenngleich doch noch nicht die Regel. Dennoch, das ist nicht das Thema, sondern die Tatsache, dass viele Personaldienstleister seit Monaten ein und die selbe Anzeige mit dem selben Wortlaut online stehen haben.

Man sucht Assistenten für die GF oder aber Teamassistenten mit Englischkenntnissen / Powerpoint-Kenntnissen/ Kenntnissen im Veranstaltungsmanagement uvm. Klar, dass ich mich darauf auch beworben hatte, aber das schon im Oktober bzw. November letzten Jahres. Im Dezember dann rief ich mal eine dieser Agenturen an und erkundigte mich danach, warum meine Bewerbung bei dieser oder jener Ausschreibung nicht berücksichtigt würde, und ich erhielt die Auskunft, dass diese Stelle kurzfristig zurückgezogen worden wäre und man sie demnächst löschen wollte.

Heute dann schaute ich nach, ob die oder jene Stelle immer noch online ist und musste feststellen, dass erst vor wenigen Tagen letzte Änderungen vorgenommen worden waren. Also rief ich wieder an und erkundigte mich erneut. Man könne sich gar nicht erklären, warum die Stelle noch online sei, und die Änderung am 11.1.??, die hätte man gar nicht vorgenommen, wie dieses Merkmal dort hinterlegt worden wäre, könne man sich auch nicht erklären.

Ich kann mir das erklären: die Stellen gibt es nämlich gar nicht! Sie dienen in meinen Augen nur dazu, einen Pool an „Beute“ aufzubauen, mit dem man dann bei Großkunden protzen kann, so nach dem Motto: „Schaut mal, soviele kompetente *Mitarbeiter* haben wir, wir sind doch gut! Bucht über uns!“

Vorhin rief ich nämlich eine private Personalvermittlungsagentur an, die eine Anzeige (Assistentin in einem bestimmten Medienhaus) seit August 2009 online hat. Die letzte Änderung der Anzeige auf den Seiten der Arbeitsagentur hatte ebenfalls vor wenigen Tagen stattgefunden. Also wollte ich wissen, ob die Stelle wirklich noch frei ist und welche Anforderungen denn verlangt würden, die bislang noch nicht erfüllt wurden.

Mit ihrer piepsigen Stimme (ich war beinahe geneigt, ihr ein Atemtraining zu empfehlen) fragte sie mich, ob ich arbeitslos sei, was ich dann in „ich sei arbeitssuchend“ korrigierte. Neee, das meinte sie doch so nicht, es gäbe doch auch Personenkreise, die sich aus einer Festanstellung heraus verändern wollten. Okay, dazu konnte ich nichts erwidern.

Ich solle, so bot sie mir spontan in ihrer mehr als unangenehmen Stimme an, doch mal bei ihr im Büro vorbei kommen, sie hätte ganz viele Angebote in ihrer Datenbank. Die wolle sie dann mal gemeinsam mit mir durchgehen und nach einer geeigneten Stelle suchen. Die Datenbank nämlich sei über das Internet nicht erreichbar.

Ich sprach sie wieder auf die Stelle an und da sagte sie mir, dass diese Stelle schon längst besetzt sei, sie diese aber auf den Seiten der Arbeitsagentur online lasse, da sie ähnliche Stellen im Angebot habe. Damit war mein Verdacht schon bestätigt, dass hier offensichtlich Unterlagen von hoffenden BewerberInnen gesammelt werden.

Ich empfahl ihr, diese Stelle schnell zu löschen, denn das wäre nicht fair den Suchenden gegenüber. Ja, das wolle sie auch machen, kam darauf von ihr. Wer das glaubt, wird seelig! Und wer es nicht glaubt, kommt trotzdem in den Himmel!

Dieses Stellenangebot werde ich auch jetzt mal beobachten. Und sollte die Stelle nächste Woche noch online sein, dann geschieht diesem Personaldienstleister genau das, was auch dem anderen heute geschah: ich rufe dann bei der Arbeitsagentur an und melde den Vorgang. Denn hier wird offensichtlich auf eine ähnliche Weise Adress- bzw. Datenmaterial gesammelt, von Menschen, die wirklich annehmen, dass die Stellen real existieren. Und ich wage mal zu behaupten, dass das nicht gerne gesehen wird…

Höchstwahrscheinlich sind nämlich rund 50% der von Personalvermittlungsagenturen ausgeschrieben Stellen nur gefaked. Sie existieren gar nicht, und wenn, dann war das wahrscheinlich die letzte wirklich erfolgreiche Stellenanzeige, die sie im Auftrag eines Kunden schalten konnten Und das schließe ich mal aus meinen Beobachtungen des Arbeitsmarktes.

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6 Antworten

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  1. Mona said, on 14. Januar 2010 at 4:02 pm

    Sofort glaube ich dir, dass viele der Stellenangebot gefaked sein könnten. Zwar habe ich nicht selbst die Erfahrung gemacht, aber man hört so einiges aus dem Bekanntenkreis. Ab und an liest man auch so einiges im Internet.

    Erst im November 2009 soll eine Berliner Firma über 2.500 Stellenangebote auf den Seiten des Arbeitsamtes veröffentlicht haben, um an die Daten von potenziellen Bewerbern zu kommen. Wozu man diese Daten nutzt, weiss ich zwar nicht, aber ich kann mir gut vorstellen, dass man damit irgendwie Geld verdienen kann.

    Das zweite Problem ist, dass offene Stellen gemeldet werden. Wie genau das geht, weiß ich nicht, aber ich vermute einfach mal, dass sie bei den Arbeitsämtern phi mal Daumen gezählt werden. Und dann heisst es: X offene Stellen stehen X (faulen, arbeitsunwilligen bewerbungsscheuen) Bewerbern gegenüber. – Somit wird dem Arbeitssuchenden wieder mal vorgerechnet, dass man ja wirklich einen Job finden könnte, wenn man sich nur darum bemüht!

    Es gibt mehr Menschen, die dieses Spielchen durchschauen, als manch einer denkt.

    Ich wünsche dir viel Erfolg, dass du einen angenehm bezahlten Arbeitsplatz findest!

    Liebe Grüße.

  2. trulla24 said, on 14. Januar 2010 at 6:27 pm

    Danke Mona, für deine Wünsche. 🙂 Noch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben, eines Tages doch noch eine Stelle zu finden, die mir gestattet, meinen Lebensunterhalt selbständig zu bestreiten.

    Sollte das stimmen, was du da mutmaßt, dass nämlich das auch im Interesse der ARGES sein könnte, dass damit weiter an der Stigmatisierung der „arbeitsscheuen Parasiten“ gearbeitet wird, dann wird das heftig.

    Ich werde beobachten, was mit der Stellenausschreibung geschieht, die ich heute der Arbeitsagentur gemeldet habe. Sollte sie nächste Woche noch online sein, dann werde ich mal versuchen, einen von der Presse zu finden, der sich darum kümmert und das vielleicht mal an die Öffentlichkeit bringt.

    Du schreibst, dass es mehr Menschen gibt, die dieses Spiel durchschauen. Wo sind sie? Wo werden sie wie aktiv? Kannst du dazu nähere Infos geben?

    (BTW, dein Blog liest sich interessant!!!) 😉

  3. Mona said, on 15. Januar 2010 at 6:54 am

    Hallo „Trulla24“,

    dein Blog steht schon bei mir auf der Lektüreliste. 🙂

    Was ich geschrieben habe, mutmaße ich (leider) nicht. Ich berufe mich auf einen Bericht von Focus Money Online vom 26.11.2008, in dem die doppelte Zählung offener Stellen mit einem Versehen begründet wird. Es sollen unwissentlich offene Angebote doppelt gezählt worden sein, wenn sie zusätzlich noch im Internet veröffentlich wurden. Der Bericht ist von Ende 2008, also älter als ein Jahr.

    Auch der SPON schrieb schon am 27.2.2006 unter der Überschrift „Viele Angebote existieren gar nicht“ seinen Artikel dazu. Also auch dieser Artikel schon etwas älter…Aber die sollen ja nicht gerade die Schnellsten sein wenns darum geht, Probleme zu beseitigen.

    Die privaten Arbeitsvermittler melden ihre offenen Angebote wohl auch den Arbeitsämtern. War gerade mal auf dem Arbeitsamts-Portal und habe mal just for fun nach einem Job für mich gesucht. Schreck lass nach! Entweder ist meine Brille total verdreckt oder ich sehe tatsächlich fast nur Angebote von privaten Vermittlern, die mit denen aus den Zeitungsanzeigen identisch sind. – Deine Vermutung kann ich also nur bestätigen.

    Links hinterlasse ich immer ungerne in fremden Blogs, aber hier kann man sich mal die offiziellen Zahlen anschauen: http://bundesbank.de/statistik/statistik_zeitreihen.php?lang=de&open=konjunktur&func=list&tr=www_s311_lr_os

    Inzwischen wurde damit begonnen, mindestens mal die unseriösen Jobangebote zu entfernen. Also die von „Datensammlern“. (Einfach mal danach googeln). Ob Jobs entfernt werden, die beispielsweise in illegale Telefonwerbung vermitteln, kann ich nicht sagen. Aber selbst sowas wurde von den Arbeitsämtern unterstützt…

    Das habe ich jetzt mal zur Erklärung geschrieben, damit nicht der Eindruck entsteht, dass ich mir hier wilde Geschichten aus dem Finger sauge.

    ~

    Was die Leute angeht, die „sehen“ und „bemerken“, was gerade abgeht, muss man sich mal die Kommentare aus dem eigenen Bekanntenkreis anhören, wenn in der Tagesschau wieder die neuen Zahlen bekannt gegeben werden. Die Menschen wissen einfach, dass viel verschwiegen wird, dass die Zahlen hinten und vorne nicht stimmen, dass die Leute mit Hartz IV nur still gehalten statt unterstützt werden.

    Meiner Erfahrung nach haben gerade die „Armen und Chancenlosen“ in der Bevölkerung einen größeren Rückhalt als sie glauben. Meiner Ansicht nach wird immer wieder versucht, die Arbeitslosen gegen die Arbeitenden auszuspielen. Aber das klappt nicht! Die Menschen in diesem Lande sind sozial und gar nicht so egoistisch wie man glauben mag. – Das sieht man immer wieder, wenn man sich die Kommentare unter den entsprechenden Zeitungsartikeln durchliest. Besonders auf welt-online nehmen die Kommentatoren kein Blatt vor den Mund.

    Ich glaube fest daran, dass wir hier (noch) in einem Land leben, in dem man seine Mitmenschen ansprechen kann, wenn man in Not ist.

    So, jetzt habe ich aber wirklich genug geschrieben… Hach, ich neige eben zum Labern…

    Ich finde es wirklich super von dir, dass du das alles öffentlich machst!

    Liebe Grüße.

  4. […] Wirtschaft von jfenn am 16. Januar 2010 Aus gegebenem Anlaß: Die Bloggerin „Trulla24“ berichtet anonym über ihre Erfahrungen bei der Arbeitssuche. Sehr viele Stellenanzeigen und sogenannte […]

  5. Faszinierend « Trulla24’s Blog said, on 18. Januar 2010 at 9:55 am

    […] ja, die Stellenausschreibungen auf der Seite der Arbeitsagentur, über die ich hier geschrieben habe, sind immer noch online! Inzwischen überlege ich, ob ich die Referenznummern publizieren soll, […]

  6. Herr Putzich said, on 24. März 2010 at 6:10 pm

    Hallo, jetzt bin ich aber froh, dass es anderen Leuten auch so geht!!! Vielen Dank für Deine Geschichte!! LG


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