Trulla24's Blog

Neulich, die Tage, in der Augenklinik

Posted in einfach mal so, Gesellschaft by trulla24 on 8. Dezember 2009

Also.. der Termin für die Augenklinik in einer Nachbarstadt von hier war endlich da. Ich setzte mich deshalb in mein Töff-Töff und fuhr los. Pünktlich wie ein Maurer kam ich in der Klinik an, um den ersten „Uiuiuiui…“-Gedanken von mir zu geben, denn die Dame an der Rezeption fand meinen Termin nicht in der Datenbank. Es dauerte etwas, ihr Gesichtsausdruck nahm langsam panische Züge an, um dann in eine Erleichterung zu verfallen: Ich ward gefunden!

Gut, dann wurde ich gebeten, im Wartesaal Platz zu nehmen, um dann nach etwa 15 Minuten in die erste Behandlungsnische gerufen zu werden, wo man meinen Augendruck messen wollte. Das dauerte etwa 2 Minuten. Mit der Bitte, dass ich mich nun doch in den Wartebereich B begeben sollte, wurde ich wieder weggeschickt. Irgendwann hörte ich jemanden meinen Namen rufen. Allerdings konnte ich nicht einordnen, aus welcher Richtung der Ruf kam. Fragend schaute ich meine „Mitwartenden“ an, von denen einige mit den Achseln zuckten, andere aber mit fragendem Blick in eine Richtung deuteten, aus der der Ruf wohl gekommen war.

Ich ging um die erste Ecke, den Gang runter, anschließend um die zweite Ecke, um dann  eine Sprechstundenhilfe in einem Türrahmen stehen zu sehen. Ob sie mich gerufen hätte, fragte ich sie. Ob ich XY sei, fragte sie zurück, was ich bejahte. Ich darauf dann, dass das ja wohl nicht die feine Art sei, Patienten zu sich zu rufen, es sich eigentlich schon aus Höflichkeit gehören würde, die Patienten abzuholen.

So, nun wolle sie mein Gesichtsfeld überprüfen, weshalb ich doch bitte auf diesem Stuhl Platz nehmen solle, die Augenklappe über mein linkes Auge tun, mein Kinn darauf legen und mit  dem offenen Auge stur in das grüne Kreuz schauen und die Klingel, sie drückte sie mir in die Hand, betätigen, sobald ich einen Lichtpunkt in der Peripherie wahrnähme.

Sie startete das Programm um (nach der Systemzeit des Rechners) 10:48 Uhr, drehte das Licht im Raum aus, ging hinaus und verschloss die Tür hinter sich. Das Programm lief durch, ich drückte die Klingel, wenn ich einen Lichtpunkt wahrnahm und irgendwann recht schnell war der Test meines linken Auges fertig. Nun dachte ich, sie käme sicherlich gleich wieder und wartete… und wartete… nahm die Augenklappe runter, legte die Klingel in die Halterung und wartete weiter. Dann machte ich das Licht im Raum an und versuchte die Schiebetür zu öffnen, die aber nicht aufging!

Auf dem Tisch neben mir sah ich ein Telefon und ich überlegte mir, ob ich nicht besser über die Auskunft mal vorne in der Rezeption anrufen sollte, mit der Bitte, mich doch zu befreien. Mittlerweile war es  11:03 nach der Systemzeit des Rechners, auf dessen Bildschirm ich nicht nur meinen Namen las, sondern auch den noch weiterer Patienten. Unten in der Leiste sah ich das Fensterchen, das Telnet aktiv ist und ich überlegte mir, ob ich nicht mal eben schnell deren System etwas lahm legen sollte.

Die Verlockung, mir doch mal die Krankenakten der anderen Patienten anzusehen, war recht groß, aber dieser Versuchung konnte ich widerstehen. Vor mir lag Papier, und ich überlegte mir, ob ich nicht anfangen sollte, Papierflugzeuge zu basteln und den Raum damit zu „beflastern“, was ich aber nicht machte. Also stand ich, nochmal einige Minuten später, nochmal auf und versuchte erneut vergebens, die Tür zu öffnen, was nicht ging.

Auf einmal ging die Tür auf, und die Chefin der Klinik steckte ihren Kopf rein. „Oh, entschuldigung.. ich wusste nicht, dass hier grad eine Untersuchung läuft!“ und mit diesen Worten wollte sie die Tür wieder schließen. Ich: „Ob sie schon mal was von Freiheitsberaubung gehört hätte?“ Sie: „Ja, aber wieso?“ Ich: „Ich sitze hier schon mehr als 15 Minuten im Raum, komme nicht heraus“ Sie: „Oh, das tut mir leid. Die Behandlung ist doch sicher schon vorbei.“ Ich: „Nein, nur das linke Auge ist getestet, das rechte noch nicht!“ Und dann legte ich los, aber so richtig! Dass es eine Unverschämtheit sei, dass sich keiner reingekommen wäre, dass ich eigentlich Zugriff auf weitere Patientendaten gehabt hätte, wenn ich es gewollt hätte, ich sogar deren IT-System hätte lahm legen können, was ich auch nicht gemacht hätte…  und sie von Glück reden könnten, dass ich nicht unter Claustrophobie leide noch eine alte gebrechliche Person sei….

Mittlerweile war die Behandlerin von vorher dazu gekommen und sprach mich an, was denn passiert sei und ich erzählte ihr alles nochmal – wohlweißlich darauf achtend, dass meine Stimme laut und streng klang, damit auch möglichst viele Patienten drum herum alles mitbekamen.

Frau Dr. ZZ, der die Klinik gehört, wurde rot, deutete auf eine Sprechstundenhilfe und fragte mich, ob „sie“ es gewesen sei, was ich vehement verneinte. Ich könne mich an das Gesicht der Frau nicht erinnern, aber diese Dame sei es NICHT gewesen.

Dann zeigte man mir den Grund, weshalb ich die Schiebetür nicht aufbekam. Ich hätte sie im Griff anheben und dann kräftig zur Seite reißen müssen, dann wäre ich „befreit“ gewesen. Meine Behandlerin bat mich, mich nicht so aufzuregen, es sei doch jetzt alles wieder gut, worauf ich erwiderte, dass so etwas hätte NIE passieren dürfen. Frau Dr. ZZ entschuldigte sich vielmals für diese Unannehmlichkeit und die Behandlerin von vorher führte den Test zuende. Dabei erzählte sie mir, dass die Patienten eigentlich nie alleine in den Räumen sein dürften, dass das Geschehen mit mir wirklich ein Unglücksfall gewesen war. Nach etwa einer Minute war dann auch das zweite Auge getestet und ich durfte in einem weiteren Wartetrakt Platz nehmen, um dann endlich zur Augenärztin zu kommen.

Während ich wartete, kam mit hochrotem Kopf die Verursacherin aus einem Separee, ging auf mich zu und entschuldigte sich für ihr Benehmen, es sei ihr aber etwas dazwischen gekommen.  Ihre Entschuldigung nahm ich selbstverständlich nicht an, denn es gibt nix, was 15 Minuten dauert und den Patienten in der Kabine (mit vollem Zugriff auf sämtliche Daten!) allein zu lassen.

Ach ja, das war dann noch nicht alles! Nachdem ich mit der Augenärztin gesprochen hatte, sie meinen Sehnerv auf eventuell schon eingetretene Schäden untersucht hatte (mit negativem Befund), fragte ich sie, ob sie den Bericht an meinen Hausarzt senden würde. Ich sei doch nicht mit einer Überweisung gekommen, meinte sie. Die müsste doch dann eingescannt im System sein, was aber nicht der Fall sei… Und da widersprach ich ihr, mittlerweile mehr als sauer! Denn gerade mein Hausarzt wollte, dass das Geschehen um das Auge herum nochmals genau abgeprüft wird, weshalb er mich an diese Augenklinik überwiesen hatte.

Dass die Augenärztin meinen Verdacht auf M. Basedow bestätigt hat, zeigt zumindestens, dass sie gut ist – die Organisation der Klinik aber ist, so wie ich es bislang erlebt habe, unter aller Sau! Und die Tatsache, dass man als Kassenpatient nur noch aggressiv  für seine Rechte eintreten muss, spricht Bände.

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