Trulla24's Blog

Koch-TV

Posted in Gesellschaft, Politik by trulla24 on 1. Dezember 2009

Ne ne.. ich will mich jetzt nicht über diese unsäglichen Kochsendungen aufregen, sondern über das ZDF-Programm, das demnächst dank meines „Busen“Freundes R. Koch aus Hessen wohl eine neue Qualität annehmen wird.  Am Sonntag durfte ich gezwungener Maßen mir eine Ausgabe der Rosamunde Pilcher-Verfilmungen im ZDF ansehen. Und das, was ich sah und erleben durfte, war platter als der billigste Groschenroman. Umsäumt von wunderschönen Landschaften und traumhaften Herrenhäusern spielte sich ein Drama ab, zwischen Herren Oberreich und der armen reinen Frau, vollgepackt voller Missverständnisse, Lügen und Intrigen. Ein Fernsehprogramm des ZDF, so rein, so sauber, so edel… so klassisch, so vermieft, so erbärmlich…

 

Sie, die verwitwete Mutter eines Sohnes, die zufälligerweise auch noch mit ihrem Bruder zusammen lebt, lernt einen adretten jungen Mann kennen, dessen Hobby u.a. Oldtimerrennen sind. Er ist eigentlich der reiche Sohn ihres Chefes, ein Bankbesitzer, der wiederum von einem Angstellten um mehrere Millionen Pfund betrogen wurde.

 

Und es kommt, wie es kommen muss: Vater braucht die Hilfe seines Sohnes, Sohn hat sich in die junge arme Frau verliebt. Vater bittet Sohn, doch wieder ins Unternehmen zurückzukommen, Sohn verweigert sich. Sohn richtet die Geburtstagsfeier seiner Mutter, der Ex-Frau seines Vaters, im Yachthafen aus. Vater will mit seiner Angestellten, eben dieser jungen armen alleinerziehenden verwitweten Mutter, eben dort zufälligerweise einen Drink nehmen. Sohn und Mutter (also Ex-Frau) sehen den Vater, den verarmeten Banker, mit dieser Schönheit die Treppe runter gehen. Mutter rastet aus, Sohn rastet aus – beide aus ähnlichen Gründen. Sohn denkt, seine Liebe ist die neue Geliebte seines Vaters, Mutter denkt, dass die Schönheit eine Hure ist.

Sohn und Schönheit vertragen sich wieder, landen dann im Bett. Eine heiße Bettszene ist zu sehen: er liegt auf ihr, sie sitzt auf ihm, schweißgebadet… die Münder sind erigiert geöffnet… und dann macht Sohn ihr, sie kennen sich grad mal drei Tage, einen Heiratsantrag und sagt, dass er von ihr vier Kinder haben will. Die Musik nimmt bedrohlich-dramatische Töne an… Die alleinerziehende verwitwete Schönheit fragt den reichen Sohn des verarmten Bankers, ob er sich auch vorstellen könnte, ein Kind zu adoptieren, was der Oldtimer-Liebhaber mit einem massiven Zweifel beantwortet. Die verliebte, aber aus tiefster Seele reine, Frau aus dem armen Land  schluckt und beschließt, ihrer Liebe von dem Sohn zu erzählen.

Nun ist da ein guter Freund dieses reichen und schönen jungen Mannes, dessen Frau zufälligerweise bei der noch wütenden Ex-Frau des schuldlos verarmten Bankers arbeitet. Und so erfährt er von den Zweifeln der Ex-Frau und liebenden Mutter dieses erfolgreichen jungen Mannes mit dem energischen Kinns. Da er es gut meint, folgt dieser Freund dem jungen Aschenputtel, diesem traurigen weiblichen Wesen und sieht, wie sie von einem Mann und einem Sohn begrüßt wird.

 

Also rast er direkt zu seinem in diese reine Seele verliebten Freund und erzählt ihm von der Beobachtung. Klar, dass er dafür einen Kinnhaken erhält, aber das hält er aus. Der reiche Sohn ist nun verletzt und …

 

Es gibt eine Szene des Verlassens, des Weinens, dann stirbt die Tante der edlen jungen Frau, sie beschließt, zurück in ihre Heimat zu reisen, nicht ohne Unmengen von Taschentüchern voll zu heulen, sie schreibt einen Abschiedsbrief, den der edle junge Mann liest, er will sie aufhalten und verunglückt schwer. Das Drama nimmt einen weiteren Höhepunkt ein: sein linkes Bein soll amputiert werden, aber während Vater (verarmter Ex-Banker) und Mutter (verletzte Ex-Frau und mittlerweile erfolgreiche Geschäftsfrau) weinend und in sich gehend im Krankenhaus sitzen. Da kommt der Arzt und teilt beiden mit, dass das Bein gerettet werden konnte… und beide liegen sich vor Glück in den Armen.

 

So gehen dann die Verwicklungen weiter, bis dann sich der verarmte Banker wieder mit seiner Ex-Frau verträgt, nicht ohne ihr die Gründe für sein Fremdgehen in der Ehe (Verdacht auf Nierenkrebs im Finalstadium, er wollte nochmal leben und brauchte diese jungen Dinger!) gesteht. Exfrau verzeiht ihm und bittet ihn, zu ihr zu ziehen, weil er ja inzwischen den Familienbesitz an die Bank geben musste, um seine Bank am Leben zu halten.

 

Mutter und Ex-Ex-Frau bereut, dass ihr heißgeliebter und einzige Sohn immer noch unglücklich verliebt ist, immer noch dieser edlen Seele von geheimnisvollen jungen Frau verfallen ist, und beschließt, das junge Paar wieder zusammen zu führen.

 

Sohn und Hobby-Oldtime-Bastler hüpft an einem wunderschönen Strand an der englischen Küste, geht schon fast wieder normal, verrenkt sich irgendwie eigenartig das Knie und man erkennt, dass er nun wieder ganz gesundet ist. Die Schönheit kommt einen schmalen Weg zu ihm runter, er sieht sie, rennt auf sie zu und umarmt sie. Dass er kurz vorher vor einer Beinamputation stand, wird aus dramatischen Gründen ganz schnell vergessen.

 

Beide stehen an seinem Oldtimer, sie lehnt sich an ihn und bittet ihn um Verzeihung. Und er schaut sie ernst an und befielt ihr beinahe, ihn nie wieder anzulügen. Aber kein Wort der Entschuldigung von ihm, ist er doch der edle junge Prinz gewesen, dem allein übel zugespielt wurde. Und dann kommt die Violinenmusik, um den Abspann einzuleiten.

 

Und während ich mir den Abspann ersparen konnte, dachte ich an R. Koch und seinen Taschentuchverbrauch des besagten Abends. Ja, das ist das Fernsehprogramm, das die Nation braucht! Clean, romantisch, das traditionelle Familienbild und Rollenverständnis unterstützend…. So wie es sich für einen Sonntag abend gehört.

 

Und ehrlich – ich befürchte, dass nun, nachdem Nikolaus Brenders Vertrag beim ZDF nicht verlängert wurde, Roland Koch (CDU) sein Weltbild in diesem Kanal verwirklicht sehen möchte. Womit dem Grauen des Lebens Tür und Tor geöffnet sein wird.

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